Verein "Unser Wald e.V." stellt sich vor

Heimatvereine fördern Besonderheiten und Traditionen ihrer Ortschaften sowie der gesamten Region. Ihre Mitgliederinnen und Mitglieder fühlen sich ganz besonders heimatverbunden und pflegen eine enge Gemeinschaft.

Wir haben mit Heimatvereinen in Mansfeld-Südharz über ihre Ziele, laufenden Projekte und Herausforderungen gesprochen: 5 davon möchten wir Ihnen diese Woche vorstellen.

Der Verein „Unser Wald e.V.“ wurde 2019 in Grillenberg ins Leben gerufen und hat heute bereits 225 Mitgliederinnen und Mitglieder. Eberhard Nothmann war als Vereinsvorsitzender von Beginn an dabei.

Herr Nothmann, was verbinden Sie mit den beiden Begriffen „Heimat“ und „Verein“? 

Heimat ist für mich ein Ort, an dem man sich wohlfühlt, wo man geboren ist und den größten Teil seines Lebens verbringt. Vereine sind Zeichen für die Bürgerinnen und Bürger, mit denen etwas bewegt werden kann.

Die Förderung von Natur- und Umweltschutz und eine nachhaltige Waldwirtschaft liegen mir besonders am Herzen. Genauso wie meine Heimat und unser Verein „Unser Wald e.V.“, der die historisch gewachsenen Waldbestände mit ihrer Artenvielfalt und der Biodiversität erhalten und weiterentwickeln möchte.

Wie sind Sie zum Heimatverein gekommen und was ist das Besondere an Ihrem Verein? 

Als ehemaliger Forstmitarbeiter war ich in meiner beruflichen Laufbahn schon immer im oder für den Wald tätig und habe seine Entwicklung 50 Jahre lang miterlebt. Durch den Orkan Friederike im Jahr 2018 wurde bekanntlich ein Großteil der Wälder zerstört, was uns allen vor Augen geführt hat, dass die Arbeit für den Wald so wichtig ist.

Auf einer Veranstaltung von Forstleuten und Bürgern des Südharzes haben wir uns mit 10 Personen über einen möglichen Verein unterhalten und schließlich kam es am 04.07.2019 zur Gründung. Der Name spricht für sich: Verein „Unser-Wald“ e.V. Es ist unser Wald, der unsere Hilfe braucht, denn wir leben auch von seinen Funktionen: Die Nutz-Schutz-Erholungsfunktion und der Arbeitsplatz.

Mittlerweile haben wir 225 Mitgliederinnen und Mitglieder, davon sind über 30 % Kinder und Jugendliche. Bis zum 24. Lebensjahr muss man bei uns keinen Mitgliedsbeitrag zahlen – mit dem Ziel, dass Kinder und Jugendliche sich bei uns für die Fauna und Flora engagieren. Wir haben 40 Pflanzaktionen in den Landkreisen Mansfeld-Südharz, Saalekreis und Stadt Halle durchgeführt, womit wir 100.000 Bäumen das Leben geschenkt haben.

Welche Projekte laufen gerade, welche sind in Planung?

In Zusammenarbeit mit der AWO, der Kita Riestedt und der Stadt Allstedt planen wir die Eröffnung eines Waldkindergartens am 25. April 2023 (Tag des Baumes) in Allstedt, um schon unseren Kleinsten die Möglichkeit zu geben, sich spielerisch mit den Themen Wald und Natur vertraut zu machen.

Über das Landesschulamt Sachsen-Anhalt haben wir uns mittlerweile ein großes Netzwerk aufgebaut, welches uns ermöglicht in verschiedenen Schulen unterwegs zu sein. In Zusammenarbeit mit den Firmen „Forst- & Bildungsservice Schiffner“ und „liebendleichtwachsen“ integrieren wir den Wald in den Biologie-Unterricht. Die Lehrerinnen und Lehrer sind gleichermaßen von dem Angebot begeistert, wie die Schülerinnen und Schüler. Unser Ziel ist es, das Ganze in den nächsten Schuljahren fortzuführen.

Außerdem organisieren wir für nächstes Jahr ein Wald-Kinder-Ferienlager sowie dieses Jahr einen Weihnachtsbaumverkauf am 10.12.2022 und weitere Termine für Pflanzaktionen.

Was sind die Herausforderungen im Verein und in der Region? Wo wünschen Sie sich Unterstützung?

Durch die heißen Sommer sind Schäden an den Bäumen leider unvermeidbar: Einerseits durch den Insektenbefall (Borkenkäfer) in der Fichte und in Laubholz, andererseits haben Altbestände (z.B. die Buche) in unserer Region Sonnenbrand und sind sehr stark geschädigt. Das Pflanzen von neuen Bäumen ist ein wichtiges Mittel gegen den Klimawandel. Die Politik sollte dieses Problem erkennen und in Programmen verinnerlichen. Unser Minister, Sven Schulze, war bereits zu einer unserer Baumpflanzaktionen vor Ort und hat die Relevanz verstanden.

Ein weiteres Problem ist, dass man laut Bundeswaldgesetz im Wald von den Wegen abweichen kann, zumindest wenn man zu Fuß unterwegs ist. Reiterinnen und Reiter sowie Radfahrende hingegen dürfen die Wege nicht verlassen. Viele Fußgängerinnen und Fußgänger behandeln den Wald leider nicht gut und nehmen der Natur ihre Räume. Es wäre schön, wenn das Bewusstsein für „unseren Wald“ in die richtige Richtung weiter gestärkt wird.

Nicht zuletzt ist eine Herausforderung, die vorhandene Energie aus den Wäldern zu nutzen. Die meisten von uns denken bei erneuerbaren Energien an Windmühlen oder Photovoltaikanlagen. Holz ist jedoch auch ein besonders hochwertiger Energieträger. Auch aus Grünschnitt kann Energie gewonnen werden.

Wir wünschen uns von den Kommunen und der Stadt finanziell mehr Unterstützung, um weitere Projekte umsetzen zu können und den Wald in all seinen Funktionen fördern zu können.

Wie können die Heimatvereine noch mehr ins Bewusstsein der Bürgerinnen und Bürger rücken?

Wir durften bisher die Erfahrung machen, dass die regionale Bevölkerung hinter uns steht und da ist, wenn wir Hilfe benötigen. Es sind schon viele Kooperationsverträge zustande gekommen, beispielsweise mit den Stadtwerken Sangerhausen, der Sparkasse oder der Raiffeisenbank, die unseren Verein unterstützen. Das zeigt uns, dass das Bewusstsein der Bürgerinnen und Bürger zum Thema Engagement für den Wald in unserer Region auf jeden Fall vorhanden ist.

Blick in die Zukunft: Welche Wünsche und Ziele haben Sie persönlich und im Verein? 

In erster Linie wünsche ich uns allen Gesundheit!

Auf Vereinsebene werde ich 2024 meinen Vorsitz an meinen Nachfolger abgeben. Ich gehe davon aus, dass dieser den Posten ebenfalls mit viel Freude ausübt.

Unser Ziel ist es, den Verein für ganz Deutschland auszuweiten. Wir warten aktuell auf die Genehmigung.

Außerdem wünsche ich mir, dass die Zusammenarbeit mit den Akteurinnen und Akteuren der Region, zum Beispiel dem Harzklub, weiterhin so super funktioniert und wir mit Auftritten in verschiedenen Medien, wie Zeitung, Rundfunk und Fernsehen, noch mehr auf Waldthemen und Klimaprobleme aufmerksam machen können.

Kontakt zu Unser Wald e.V.:

Vorsitzender: Eberhard Nothmann
Unser Wald e.V.
In den Halden 2
06526 Sangerhausen OT Obersdorf
03464 / 58 22 39
info@unser-waldev.de
Hier geht’s zur Website

Kontakt zum Projektbüro für nachhaltigen Tourismus:

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