Gemeinde Hettstedt

Bergbauhistorie. Kupfer. Natur.

Hettstedt - Wappen

Postleitzahl: 06333

Einwohnerzahl: 13.913 (31.12.2022)

Fläche: 3.692 ha

Ortsteile: 2

Bürgermeister: Dirk Fuhlert (seit 2019)

Städtepartnerschaften: Bergkamen (Ruhr­ge­bi­et), Vöhringen (Bayern)

Lebensraum.gestalten

Engagierte Bürger, Vereine und Gründer aus dem Mitteldeutschen Revier können ihre Projekte beim Ideenwettbewerb für Zukunft, Land und Leute einreichen und zum REVIERPIONIER werden.

Ein Gewinnerprojekt aus Hettstedt möchten wir Ihnen hier vorstellen. Wir haben mit Jenny Babatz, Leiterin der Einrichtung Kinderhaus „Tiegel“ über das Gewinnerprojekt “Talent-Werkstatt” gesprochen.

Weitere REVIERPIONIERE aus unserer Region finden Sie hier.

Talent-Werkstatt (Der Kinderschutzbund KV MSH e.V. - Kinderhaus "Tiegel")

Können Sie sich und Ihr REVIERPIONIER- Projekt kurz vorstellen?

Unser Kinderhaus liegt in einem schönen Wohngebiet am Rande von Hettstedt und wird täglich von 30-40 Kindern und Jugendlichen besucht. Kinder und Jugendliche im Alter von 6-16 Jahren können unsere Freizeitangebote nutzen.

Was waren dem Beweggründe zu lhrem Projekt?

Die ldee einer Talent-Werkstatt entstand im Hinblick auf den Strukturwandel und die sich veränderten Bezugsmöglichkeiten für junge Menschen. So ist es eindeutig, so zeitig wie möglich die Talente unserer Kinder und Jugendlichen herauszufinden und zu fördern. Wir haben in den Herbstferien 2023 eine Woche lang Workshops und Aktionen angeboten und somit eine vielfaltige Auswahl an Themenbereichen, in denen die Kinder und Jugendlichen sich ausprobieren konnten.

Welche Themenbereiche sind das?

  • Kreativ Am 18.10.2023 hatten wir den Workshop ,,Schattentheater” im Haus. Hierbei konnten die Kinder und Jugendlichen ihre Kreativität und ihren Einfallsreichtum nutzen. Es wurden Figuren gebastelt, welche im Schattentheater zum Einsatz kamen. Die Kinder konnten ihre eigenen Geschichten schreiben und nachspielen. Hier konnten wir einige Talente entdecken.
  • Handwerk Am 19.10.2023 kam dann der Kupferschmied zu uns ins Haus. Die Kinder und Jugendlichen setzten sich mit dem Material ,,Kupfer” auseinander und lernten Wissenswertes über den Kupferabbau. Dann konnten sie mit Hilfe von Kupferdraht kleine Kunstwerke in Form von Bäumchen herstellen. Außerdem wurde auch Schmuck aus Draht hergestellt. Besonders die Jungen waren sehr angetan von dem Workshop.
  • Technik Am 23.10.2023 luden wir den Neugierexpress zu uns ein. Hier ging es um das Erforschen von Zusammenhängen und das Experimentieren, um technische Phänomene erklärbar zu machen. Die Kinder und Jugendlichen hatten großen Spaß am Experimentieren.

Wie kann sich an dem Projekt beteiligt werden?

Ansässige Vereine, Ehrenamtliche, externe Partner und Fachkräfte der Kinder- und Jugendarbeit, die sich in die Themenbereiche einbringen können, werden mit einbezogen.

Region.gestalten

Als Teil des Mitteldeutschen Braunkohlereviers wird der Landkreis Mansfeld-Südharz seit Jahrzehnten durch den industriellen Bergbau geprägt. Der Strukturwandel, einhergehend mit dem Ausstieg aus der Kohleverstromung bis 2038, fordert ein Umdenken.

Wir möchten Ihnen ein Projekt des Landkreises vorstellen, welches den Industriestandort Hettstedt-Großörner-Mansfeld aufwerten soll.

Weitere Strukturwandelprojekte des Landkreises finden Sie hier.

Hauptanschlussbahn Hettstedt

„Ausbau der schienengebundenen wirtschaftsnahen Infrastruktur am Industriestandort Hettstedt/Großörner – Ersatzneubau Brücken BW 1, BW 7, BW 8, BW 10 und BW 11 und Ausbau der bestehenden Eisenbahninfrastruktur der Hauptanschlussbahn Hettstedt“

Ein intaktes, entwicklungs- sowie ausbaufähiges Eisenbahninfrastruktursystem mit nahem Zugang zu einem Tarifpunkt der DB ist für die Aufrechterhaltung sowie regional gewollter Ansiedlung zusätzlicher Industrieunternehmen, insbesondere unter der Zielstellung der Revitalisierung eines traditionell bedeutenden Industriestandortes ein Alleinstellungsmerkmal und von besonderem Gewicht in der Entwicklung regionaler Infrastruktur. Über diesen Fundus verfügt der Industriestandort Hettstedt-Großörner-Mansfeld.

Die Verknüpfung zwischen Güterfern- und Regionalverkehr soll durch den Ausbau der landkreiseigenen Hauptanschlussbahn Hettstedt und die Erweiterung und Optimierung der Nutzbarkeit des Bahnhofes Hettstedt konsolidiert und nachhaltig aufgewertet werden.

Im Industriegebiet Hettstedt/Großörner sind mehrere Anschlussnehmer ansässig, welche eine enorme Wirtschaftskraft in der Region darstellen und ein weiteres, sehr gutes Entwicklungspotential für den infrastrukturell günstig gelegenen Industriestandort bieten.

Zielstellung dieses Strukturwandelprojektes soll die Aufqualifizierung der Eisenbahninfrastruktur der Anschlussbahn sein.

Die Zukunftsfähigkeit der Strecke, die Erhöhung der Transportvolumina in Verbindung mit einer Erhöhung der zulässigen Belastungsgrenzen/Tonnagen und Geschwindigkeiten (diese sind derzeit begrenzt auf 30 bzw. 10 Km/h) führen dauerhaft zu einer wesentlichen Verbesserung der Nutzbarkeit und einer möglichen Verlagerung weiterer erheblicher Transportvolumina auf die Schiene.

Aus zuvor genannten Gründen sind zwingend Maßnahmen zum Erhalt bzw. mittelfristig zum Ersatzneubau von 5 Brückenbauwerken sowie erheblichen Investitionsmaßnahmen am zugehörigen Schienennetz der Hauptanschlussbahn notwendig. Dies kann nur in nachhaltig geplanten Bauabschnitten erfolgen.

Interview mit dem Bürgermeister Dirk Fuhlert

Wir waren 2023 zu Besuch in der Stadtverwaltung Hettstedt und durften mit dem amtierenden Bürgermeister, Dirk Fuhlert, ein interessantes Gespräch über die Besonderheiten der Gemeinde Hettstedt führen.

Dirk Fuhlert
Dirk Fuhlert – Bürgermeister der Gemeinde Hettstedt

Hallo Herr Fuhlert, vielen Dank, dass Sie sich die Zeit für uns genommen haben. Was glauben Sie schätzen die Bürgerinnen und Bürger an ihrer Gemeinde? Was ist das Besondere an der Gemeinde Hettstedt?

Zunächst einmal glaube ich, dass die Bürgerinnen und Bürger den historischen Hintergrund von Hettstedt schätzen. Dennoch haben wir jahrzehntelang unter dem Motto „Es gibt ja Eisleben und Sangerhausen, die viel wichtiger sind.“ unser Licht unter den Scheffel gestellt. Man war sich trotzdem irgendwo schon bewusst, dass es ohne Hettstedt vieles in der Region vielleicht nicht gegeben hätte. Immerhin wurde hier – in Hettstedt – der Legende nach im Jahr 1199 von Nappian und Neuke das erste Kupfererz gefunden. Ohne dieses Ereignis in der Kupferstadt wäre vielleicht ein Luther niemals in Eisleben geboren worden, wäre vielleicht Sangerhausen niemals zur Berg- und Rosenstadt aufgestiegen. Mit Sicherheit kann man dies natürlich nicht sagen, aber es hätte durchaus sein können. Insofern waren wir damals irgendwie der Ausgangspunkt für eine große Entwicklung der ganzen Region. Ich denke, das ist den Leuten auch irgendwo bewusst. Wichtig ist aber – und das gilt für alle Städte im Landkreis – dass der berühmte Ausspruch „Ich bin Bergmann, wer ist mehr“ als eine Art Tradition hier fortleben muss, da dies auch ein Ausdruck für starkes Selbstbewusstsein ist.

Ich glaube, viele Bürgerinnen und Bürger schätzen auch, dass wir zwar eine Kleinstadt sind, aber trotzdem immer noch viele Dinge auf engem Raum anbieten können, die nicht jede Kommune im Umkreis aufzuweisen hat. Sicherlich zwar gewachsen, da wir ja mal Kreisstadt waren, aber bis heute vorhanden. Ob beispielsweise das Freibad, Bibliothek, eine vollumfängliche Schullandschaft oder gute Kinderbetreuungsmöglichkeiten sind – darauf können und sollten die Bürgerinnen und Bürger stolz sein.

Gerade den ländlichen Raum erwarten momentan viele Herausforderungen. Welche Strukturwandel-Projekte haben Sie sich in Ihrer Amtszeit vorgenommen und wie ist der aktuelle Stand?

Das ist ein schwieriges Thema. Wir hatten natürlich ein großes Projekt, welches wir durch den Strukturwandel realisieren wollten. Die unterschiedlichen Eigentumsverhältnisse bei Schwimmhalle und Freibad und die damit verbundenen verschiedenen wirtschaftlichen Ansätze schaffen ein großes Problem für die Finanzierung des Schwimmsports und des Schulschwimmens. So hatten wir den Neubau eines Freizeitzentrums vor, um einfach zukunftssicher und umfangreicher Angebote machen zu können. Denn ich glaube, dass die weichen Standortfaktoren überaus wichtig für eine Kommune wie Hettstedt sind. Letztendlich konnten wir dieses Projekt jedoch nicht platzieren.

Dennoch wurden andere wichtige Themen für die Stadt – wie beispielsweise die grüne Fernwärme – positiv entschieden. Dann haben wir natürlich auch Projekte, die der Landkreis umsetzt und die Hettstedt zugutekommen. Das Regent-Projekt, welches die Gesundheitsversorgung verbessern soll, ist hier ein Stichwort. Oder auch die Ertüchtigung der Gleis- und Schienenanlagen, einschließlich auch der Brückenbauwerke, die wir in der Gemarkung Hettstedt haben. Also insofern sind das zwar nicht die Investitionen, die man als Bürgerinnen und Bürger direkt als positive Entwicklung im Stadtbild wahrnimmt, aber es sind Investitionen in die Zukunft und dies ist ein ganz wichtiger Aspekt für Hettstedt.

Ich denke, dass es letztendlich bedeutsam für Kommunen ist, viel mehr in die Zukunft zu blicken und nicht nur von „heute auf morgen zu leben“ – trotz der gerade in Hettstedt schwierigen Finanzsituation. Man braucht einen roten Faden und mit diesen genannten Strukturprojekten sind wir meiner Meinung nach auf einem guten Weg, um hier gewisse Eckpunkte festzumachen.

Was bietet Ihre Gemeinde jungen Menschen, damit sie bleiben?

Hettstedt ist eigentlich nicht so schlecht, wie sein Ruf bei der eigenen Bevölkerung ist. Hettstedt hat umfangreiche Möglichkeiten, was die Kinderbetreuung angeht. Wir haben kommunale und private Kindertageseinrichtungen. Alle Schulformen sind in Hettstedt zu finden. Das ist schon mal der erste Punkt. Dann halten wir Dinge vor, die nicht in allen Kommunen zu finden sind. Wir haben ein Freibad, eine Bibliothek, Sportstätten und Sporthallen. Wir haben ein sehr reges Vereinsleben, wo sowohl Erwachsene als auch Kinder und Jugendliche tätig werden können. Wir haben auch sehr viel Historie. Dazu zählen mehrere Museen und außerdem lebt in Hettstedt noch Geschichte. Das macht eine Stadt natürlich auch individuell.

Ich glaube auch, dass der Kleinstadtcharakter das Leben einfacher macht. Das muss man natürlich mögen. Also wenn ich jeden Abend ins Kino will und tanzen will, dann ist Hettstedt nicht der richtige Ort, aber da kann ich auch fragen: „Welcher Ort ist das im Landkreis?“. Man kann aber von Hettstedt aus, wie auch von den anderen Kommunenebenfalls, sehr schnell nach Magdeburg oder Halle kommen.

Weiterhin haben wir in der Kupferstadt einen sehr guten und bezahlbaren Wohnungsmarkt, wichtig besonders für junge Familien. Wir schaffen künftig noch Möglichkeiten, wo junge Familien auch ein Eigenheim bauen könnten. Und wir haben natürlich auch Unternehmen, die Fachkräfte suchen, also Arbeit bieten. Insofern bietet Hettstedt jede Menge für junge Familien. Man muss es aber, wie ich schon sagte, mögen. In einer Kleinstadt – auch in Hettstedt – werden „spätestens 23 Uhr die Bürgersteige hochgeklappt“. Am Ende muss man auch das Ganze sehen. Ein Tanzabend oder ein Kinoabend allein machen nicht das Alltagsleben aus.

Wo sehen Sie Chancen in der Zusammenarbeit mit der SEG?

Ich freue mich erstmal, dass sich die SEG mittlerweile zu einer Kraft gemausert hat, die auch schlagkräftig ist. Ich hatte davor immer den Eindruck, auch vor meiner Tätigkeit als Bürgermeister, dass die SEG irgendwie nicht greifbar wäre. Da kamen Konzepte an und dann die Aussage „Jetzt macht mal.“ Aber die Kommunen haben meist weder die personelle noch finanzielle Kraft, diese Konzepte umzusetzen. Das hat sich gewandelt und ich habe jetzt die Erfahrung gemacht – ein Beispiel ist der Kupferspuren Radweg – wo ich am Anfang dachte, da wird jetzt mal wieder ein Konzept hingelegt. Radwege fallen jedoch in den freiwilligen Bereich. Das heißt, ich hätte auf Grund der Finanzsituation Hettstedts das Konzept nehmen und in die unterste Schublade legen können. Aber nun hat sich diese Situation gewandelt. Es wird nicht nur das Konzept gemacht, sondern auch die Umsetzung soll über den Strukturwandel realisiert werden. Das ist ein deutliches Beispiel für mich, das die SEG jetzt anders arbeitet als vorher. Das finde ich gut.

Für mich ist die SEG in erster Linie Wirtschaftsförderung für die Region. Denn ich kann zumindest für meine Kommune sagen, dass wir das selbst nicht leisten können. Ich habe eine Kollegin, welche in ihrer Stellenbeschreibung mit einem ganz geringen Anteil Wirtschaftsförderung hat. Sie kann in diesem Bereich also nur ein paar Stunden tätig werden. In diesem Bereich sind wir also auf die Unterstützung der SEG angewiesen. Insofern halte ich die SEG für ein ganz wichtiges Instrument. Man sollte aber, um auch Kritik anzubringen, darauf achten, dass man sich nicht übernimmt. Ich habe den Eindruck, dass durch den beachtlichen personellen Aufwuchs ein Unternehmen geschaffen wird, bei dem ich nicht immer weiß, wen spreche ich jetzt eigentlich ganz konkret an. Aktuell existieren zu viele Arbeitskreise und wir als Kommune haben nicht die personelle Stärke, um an jeder Sitzung teilzunehmen. Daher wünsche ich mir, dass man thematisch passende Arbeitsgruppen zusammenfasst.

Haben oder hatten Sie ein politisches Herzensprojekt oder auch große Erfolge in Ihrer bisherigen Amtszeit?

Ein Herzensprojekt habe ich immer noch. Mein Vorgänger hat ja ausgerufen, kinderfreundliche Kommune zu werden. Das fand ich sehr schön und das würde ich auch gern fortführen. Das Problem ist unsere Finanzsituation. Dadurch kommen die meisten Dinge aus diesem Bereich sehr ins Hintertreffen. Mittlerweile habe ich außerdem festgestellt, dass es fast eine Unmöglichkeit ist, Kinder für den Kinder- und Jugendrat dauerhaft zu begeistern. Eine solche Struktur ist aber notwendig. Da muss man sich hinsetzen und beraten, man muss Verantwortung übernehmen und konkret auch selbst tätig werden. Das ist für die heutige junge Generation keine Selbstverständlichkeit mehr. Sie sind oftmals nur noch Konsumenten. Was natürlich als Fakt erschwerend hinzukommt, ist die Tatsache, dass alle, die in eine Schule gehen aus verschiedenen Orten kommen, daher auf Busverbindungen angewiesen sind und dann am Nachmittag nicht mehr in Hettstedt sind. Da eine Gruppe zu finden, die regelmäßig aktiv tätig ist, das ist ganz schwierig. Mein Herzensprojekt war und bleibt dennoch dieser Kinder- und Jugendrat, um einfach die Kinder- und Jugendarbeit nach vorn zu bringen. Obwohl es sehr zäh ist, wollen wir das trotzdem weiterverfolgen.

Und ein großer Erfolg ist doch zu verzeichnen. Wir haben in Hettstedt den demografischen Wandel. Also fast 40 Prozent der Menschen hier sind 65 Jahre und älter. Für die müssen wir etwas tun. Und so war es auch mein Anliegen, einen Seniorenrat wieder zu schaffen. Diesen gab es schon einmal in der Vergangenheit. Jetzt kann man das als vollen Erfolg betrachten. Die Mitglieder arbeiten derart aktiv und der Zuspruch ist riesig. Regelmäßig werden für die Senioren Veranstaltungen durchgeführt, wie beispielsweise Seniorenfrühstück, Tanznachmittage und Ausflugsfahrten. Der Seniorenrat arbeitet sehr autark und ist übrigens an den Heimatverein angegliedert, den ich ebenfalls gegründet habe. Der Anfang war durch Corona etwas schwierig, aber jetzt nimmt auch der Heimatverein in seiner Arbeit langsam Fahrt auf. Der Heimatverein engagiert sich in vielen Bereichen. Wir haben am 4. Juni den 1. Hettstedter Plauderbrunch organisiert und wir sind verantwortlich für Advent in den Höfen hier in Hettstedt. Das kann ich durchaus auch als Erfolg betrachten.

Wir haben auch in der Verwaltung vieles verändert. Wir haben hier Strukturen neu geschaffen, die Verwaltung wurde teilweise verjüngt und wir haben Aufgaben angepackt, die viele Jahre liegen geblieben sind. Das sieht man draußen nicht, das ist mir schon bewusst, aber ich denke, dass das eine gute Sache ist, was ich hier angefangen habe. Mir ist aber auch bewusst, dass das ein Prozess ist und eine Amtszeit nicht reichen wird.

Was sind die größten Herausforderungen in Ihrer Gemeinde?

Ich muss einschätzen, dass es eine schwierige Amtszeit ist. 2019 habe ich angefangen. Ich bin ja „artfremd“ und musste mich erstmal reinfuchsen. Nach einem Jahr war ich der Meinung, jetzt kriege ich so langsam den Durchblick und dann kam Corona. Damit lag zwei Jahre eigentlich alles komplett lahm. Das ging dann „nahtlos“ in die Energiekrise über und aktuell lähmt uns die finanzielle Situation. Dennoch wächst es so langsam wieder, aber die Bremsen spüren wir täglich.

Und mir sind auch viele Dinge auf die Füße gefallen, die durch meine Amtsvorgänger leichter und früher hätten geklärt werden können. Ich sage nur Stichwort Ratskeller. Ich musste die Gaststätte schließen – sehr zum Leidwesen der Bevölkerung. Dabei hatte ich gar keine andere Wahl. Oder das Problem mit den Miet- und Pachtgaragen. Nach aktuellen Regelungen ist es so, dass demjenigen, dem das Grundstück gehört, auch die Gebäude darauf gehören. Zu DDR-Zeiten war das anders, da wurde einfach eine Garage gebaut. Jetzt bin ich in der Pflicht, das alles mal rechtlich sauber zu ziehen, gerade auch unter dem haushalterischen Druck. Das sind schon ganz, ganz große harte Brocken und dicke Bretter, die wir zu bohren haben.

Das ist natürlich außerdem sehr schwierig für mich, denn ich habe ein politisches Wahlamt. Ich könnte auch sagen „Ach nein, da will ich gar nicht dran.“, aber wir sind in Hettstedt an einem Punkt angekommen, wo eben diese Schönwetterpolitik nicht mehr funktioniert. Dafür steht Hettstedt zu schlecht da. Ich kann es nicht verantworten, nur mit Blick auf eine Wiederwahl Entscheidungen zu treffen. Da ist mir bewusst. Ich klebe nicht am Bürgermeister-Stuhl. Wir müssen endlich Sachen durchziehen und bestimmte Dinge anpacken. All diese Sachen, die wir jetzt nach und nach machen müssen, mit all den negativen Dingen, helfen uns vielleicht einen Neustart zu wagen und auch Hettstedt nach vorn zu bringen. Ein „Weiter so“ funktioniert einfach nicht mehr.

Wir möchten unser Interview abschließen mit der Frage, wie man Sie am besten erreichen kann? Per Mail, Telefon oder persönlich?

Ich bin auf allen Wegen erreichbar. Per Mail oder Telefon natürlich. Dann gibt es eine festgelegte Bürgersprechstunde für individuelle Probleme. Da kann man einfach anrufen und einen Termin für die Sprechstunde vereinbaren. Das ist aber auch nicht in Stein gemeißelt. Sollte der von uns vorgeschlagene Termin nicht gehen, kann auch ein individueller Termin vereinbart werden. Bei mir wartet man nicht länger als 14 Tage auf einen Termin.

Dann gibt es den Bürgermeisterstammtisch, bei dem ich in den kalten Monaten in den gastronomischen Einrichtungen zum Gespräch einlade. Dort berichte ich dann über aktuelle Neuigkeiten, Probleme und Themen im Stadtrat. Man kann aber auch eigene Themen an mich herantragen. Im Sommer mache ich keinen Stammtisch, sondern Bürgermeister auf dem Markt. Ich bin regelmäßig, mindestens alle vier Wochen, mit einem Stand auf dem Wochenmarkt. Da kann man mit mir ins Gespräch kommen oder direkt einen Termin für ein Gespräch vereinbaren, falls es Themen sind, die nicht in der Öffentlichkeit besprochen werden wollen.

Ich versuche schon, sehr bürgernah und auch erreichbar zu sein. Wenn mich Vereine oder Unternehmen einladen, versuche ich mir diese Termine einzurichten. Man sollte mich einfach ansprechen. Ich wohne ja in Hettstedt und erlebe das auch regelmäßig – selbst beim Einkaufen.

Vielen Dank, Herr Fuhlert. Wir freuen uns auf die weitere Zusammenarbeit bei diesen spannenden Projekten!

Tourismusstandort Hettstedt

Hettstedt hält vielfältige Möglichkeiten für Unternehmungen bereit. So bietet die Gemeinde sowohl sehenswerte Natur als auch tierische sowie kulturelle Beschäftigungsoptionen.

Zu empfehlen ist hierbei u.a. das Mansfeld-Museum im Humboldt-Schloss, die Barockwiese und die Alte Hettstedter Druckerei Heise. Auch der Tierpark in Walbeck und der Ölgrundteich sind ein besonderer Tipp des Bürgermeisters Dirk Fuhlert.

Dieser merkte an, dass die Gemeinde Hettstedt ein sehr individuelles Erlebnis bietet, in dem sie viele Unternehmungen vereint. Hierbei hat Hettstedt einen ausgeprägten historischen Hintergrund, welchen auch die Bürger und Bürgerinnen der Gemeinde zu schätzen wissen. Hettstedt und dessen Einwohner und Einwohnerinnen haben lange ihr Licht unter den Scheffel gestellt, in dem sie annahmen, neben Eisleben und Sangerhausen nicht so viel zu bieten zu haben. Doch diese Einstellung existiert mittlerweile nicht mehr! Die Mitglieder der Gemeinde wissen, dass Hettstedt einen hohen Stellenwert in der Entwicklung der Region hat.

Zudem kann besonders hervorgehoben werden, dass obwohl Hettstedt eine Kleinstadt ist, sie doch alle Facetten einer größeren Stadt bereithält. Dazu zählen u.a. eine Bibliothek, ein Freibad sowie Kinderbetreuungsmöglichkeiten.

Wochenserie Hettstedt Alkte Druckerei Heise
Die Alte Druckerei Heise – eine der vielen Unternehmungsmöglichkeiten der Gemeinde

Energiegewinnung neu denken

HettstedtIn der Gemeinde Hettstedt findet sich ein ziemlich gemischtes Unternehmensfeld in den Bereichen Einzelhandel und Handwerk. Der wirtschaftlich bedeutsamste Zweig, ist aber in der Metallverarbeitung zu sehen. Aufgrund dieser energieintensiven Beitriebe will Hettstedt in den kommenden Jahren, so wie andere Gemeinden auch, die Energiegewinnung neu denken. “Wasserstoff wäre da natürlich ein gutes Projekt. Noch dazu, weil wir ja hier den Hauptsitz der VGS haben, die ebenfalls überlegen, wie sie ihre Fahrzeuge zukunftsträchtig und kostengünstig betreiben können”, sagt Dirk Fuhlert.

Der Energiepark Helbra, ein Verbundprojekt der Städte Hettstedt, Helbra und Eisleben, könnte eine Möglichkeit sein, Wasserstoff herzustellen. Im Zuge des Projekts ist vorgesehen, den Windpark Volkstedt um 10 Windkraftanlagen zu erweitern. Der Strom soll nach Möglichkeit direkt am Entstehungsort verbraucht werden bzw. nur kurze Wege zurücklegen, dies dient zur Netzentlastung und Stabilisierung der Stromnetze. Vorranging wird dafür ein Elektrolyseur installiert. Dieser wandelt die elektrische Energie in Wasserstoff um. Dieser Wasserstoff kann vor Ort gespeichert werden, steht aber auch der direkten Nutzung vor Ort zur Verfügung. Unter zu Hilfenahme einer Pipeline wird Wasserstoff nach Hettstedt und Eisleben transportiert, um dort die Gewerbegebiete mit grünem Wasserstoff zu versorgen. Man spricht von grünem Wasserstoff, da dieser vollständig aus erneuerbaren Energien erzeugt wurde. Dies dient vor Allem der Dekarbonisierung industrieller Prozesse, da zum Beispiel bei Schmelzprozessen noch immer konventionelles Erdgas eingesetzt wird. Grüner Strom kann den Gewerbegebieten ebenfalls direkt zur Verfügung gestellt werden.

Projektziele:

  • Lokaler Beitrag zur Energiewende: Energie aus der Region für die Region
  • Dekarbonisierung des Verkehrssektors: CO2-freie Mobilität
  • Belebung der ehemaligen historisch bedeutsamen Industriestandorte
  • Wichtiger Beitrag zur Klimaneutralität der Region
  • Regionaler Mehrwert: Beteiligung der Region und der Bürger am Windpark sowie neuen Produkten
  • H2-Modellprojekt mit Transferfunktion auf andere Regionen in Sachsen-Anhalt

NEWSaus Hettstedt


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